INDIBIO – Entwicklung eines Indikators für die Biodiversität von industriebeeinflussten Landschaftsräumen
Biodiversität bezeichnet die Vielfalt des Lebens auf genetischer, artbezogener, ökosystemarer und funktionaler Ebene. Sie ist Grundlage stabiler Ökosysteme und damit entscheidend für Leistungen wie Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt, Klimaregulation und Lebensraumqualität.
Der weltweite Verlust biologischer Vielfalt führt unter anderem zu einer Verringerung dieser Ökosystemleistungen und erhöht die Anfälligkeit von Landschaften gegenüber Störungen.
Industriestandorte stehen in enger Wechselwirkung mit ihrer Umwelt. Sie können Lebensräume beeinträchtigen, aber auch durch Rekultivierung, Renaturierung und gezieltes Flächenmanagement positive Effekte erzeugen. Bisher fehlen jedoch objektive, vergleichbare und praktikable Messgrößen, um Biodiversität in solchen Kontexten systematisch zu erfassen und zu bewerten.
Project objective
Welchen Einfluss hat Industrie auf die umliegende Biodiversität? Und wie lässt sich dieser Einfluss eigentlich messen und im Zeitverlauf nachvollziehen?
Genau hier setzt das Forschungsprojekt INDIBIO an. Ziel ist die Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten, dynamischen Key Performance Indicators (KPI) zur Bewertung der Biodiversität in industriell geprägten Landschaften. Der Indikator soll es ermöglichen, ökologische Veränderungen messbar zu machen, Entwicklungen über die Zeit zu verfolgen und den Einfluss von Bau-, Betriebs- und Rekultivierungsmaßnahmen transparent zu bewerten.
Photo: FZN
Project duration
01. November 2025 – 31. Oktober 2028
Projektansatz
Im Projekt werden bestehende Methoden — etwa Artenzählungen, Biotopkartierungen und Habitatbewertungen — mit innovativen Verfahren der Fernerkundung kombiniert. Satelliten- und Drohnendaten, Geländeerhebungen sowie standortspezifische Kennwerte werden in einem integrierten Ansatz zusammengeführt und auf ihre operationelle Anwendbarkeit geprüft. So entsteht ein flächenabdeckendes Monitoring-Verfahren, das Veränderungen im Zeitverlauf sichtbar macht und die Wirkung von Maßnahmen nachvollziehbar dokumentiert.
Pilotstandort
Die Methodik wird zunächst an einem großen Kavernenspeicher- Standort in Gronau-Epe in Zusammenarbeit mit Uniper Energy Storage erprobt. Das Gebiet ist geologisch und ökologisch besonders interessant: Seit rund fünf Jahrzehnten wird dort Salz abgebaut und die entstanden Kavernen werden heute zur Gasspeicherung genutzt. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich das Naturschutzgebiet Amtsvenn-Hündfelder Moor, wodurch ein spannender Übergang zwischen Industrie- und Naturräumen entsteht.
Der Standort bietet damit ideale Voraussetzungen, um den KPI unter realen Bedingungen zu entwickeln und zu validieren. Die umfangreichen Daten und Erfahrungen aus vorherigen Projekten machen diesen Ort zu einem optimalen Kandidaten für die Projektstudie. Im Anschluss soll ein Transfer auf weitere Industriestandorte erfolgen.
Arbeitsschwerpunkte
- Integration digitaler Datengrundlagen: Kombination von Satellitenbildern, Drohnenaufnahmen und Geländekartierungen in einem semi-automatisierten Verfahren, das standortunabhängig einsetzbar ist.
- Auswahl und Gewichtung relevanter Parameter: Prüfung ökologischer Indikatoren auf Messbarkeit, Reproduzierbarkeit und Aussagekraft.
- Entwicklung eines Biodiversitäts-Dashboards: Visualisierung der Ergebnisse als Indizes und Zeitreihen sowie transparente Darstellung der Wirkung von Maßnahmen.
- Übertragbarkeit und Skalierung: Weiterentwicklung der Methodik für weitere industrielle Kontexte.
Erwartete Ergebnisse und Nutzen
INDIBIO liefert einen methodischen Bewertungsrahmen zur objektiven Erfassung ökologischer Leistungen im Umfeld von Industrieflächen. Langfristig trägt das Projekt dazu bei, den Schutz biologischer Vielfalt stärker in industrielle Entscheidungsprozesse zu integrieren.
Project funding
Das Forschungsprojekt wird im Rahmen einer Forschungskooperation von Uniper Energy Storage GmbH (UST) mit einer Laufzeit von drei Jahren (11/2025 – 10/2028) gefördert.
Contact
Malin Chrzon, M.Sc.
Technische Hochschule Georg Agricola, University
Herner Street 45
44787 Bochum
Gebäude 2, Raum 008
Phone 0234 968 3815
Mail malin.chrzon@thga.de
Prof. Dr. Tobias Rudolph
Technische Hochschule Georg Agricola, University
Herner Street 45
44787 Bochum
Building 2, room 101
Phone 0234 968 3682
Mail tobias.rudolph@thga.de
Dr.-Ing. Benjamin Haske
Technische Hochschule Georg Agricola, University
Herner Street 45
44787 Bochum
Building 2, Room 102
Phone 0234 968 3667
Mail benjamin.haske@thga.de

