Projekt

MuM|Indukult Ruhr

Industriekultur erhalten – mit und für die nächste Generation

Auch Industriekultur ist dem Klimawandel ausgesetzt: Alte Fördergerüste leiden unter Hitzeperioden, in denen die Temperaturen deutlich höher steigen als zur Zeit ihrer Erbauung. Extremwetterlagen beeinflussen die Bauwerke von stillgelegten Stahlwerken oder Kokereien. Es bilden sich Risse, Lack-Abplatzungen und andere Materialschäden, so dass entweder teure Sanierungen nötig werden oder sogar ein Abriss droht. Auch der Untergrund und damit die Standfestigkeit der Anlagen ist von negativen Umwelteinflüssen wie Trockenheit oder Feuchtigkeit betroffen. Gleichzeitig gelten die Monumente des industriellen Zeitalters als prägende, identitätsstiftende Landmarken, die es auch in Zukunft möglichst original zu erhalten gilt – nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in vielen vergleichbaren Regionen wie dem Saarland, dem Ibbenbürener oder dem Aachener Raum. Hier setzt das Forschungsprojekt „MuM|Indukult Ruhr“ an (kurz für: „Monitoring | Umwelteinflüsse | Modellbildung auf und von Objekten der Industriekultur im Ruhrgebiet“).

Mithilfe von Spezialsensoren können die Drohnen des FZN Materialschäden an Objekten der Industriekultur sichtbar machen, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind – wie hier am Stahlfördergerüst der Zeche Pluto in Herne. (© FZN)

Das Forschungszentrum Nachbergbau erarbeitet im Sinne einer Machbarkeitsstudie eine innovative Methode, mit der sich die Zustände von Denkmälern der Industriekultur zerstörungsfrei bewerten lassen. Dazu kommen erstmals Drohnen zum Einsatz, die mit optischen, thermalen und multispektralen Sensoren ausgestattet sind. Sie sammeln wichtige Daten, die fusioniert betrachtet werden und es damit ermöglichen, die komplexen Gebäude umfassend sowie hochgenau raumzeitlich und dreidimensional zu betrachten. Gemeinsam mit dem für die Monumente der Route Industriekultur zuständigen Regionalverband Ruhr werden dazu repräsentative Gebäude ausgewählt. In Zusammenarbeit mit dem Forschungsbereich Materialkunde des Deutschen Bergbau-Museums Bochum erstellt das FZN so nach und nach eine Schadensbilddatenbank, die künftig als Referenz für vergleichbare Schäden herangezogen werden kann.

Langfristig sollen die hochgenauen 3D-Modelle mit allen Informationen in die Raum-Daten-Infrastruktur der Metropole Ruhr integriert und so einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Das Interesse ist nicht nur bei Materialwissenschaftler*innen groß: Auch Fachleuten aus den Bereichen Geschichte, Architektur oder Denkmalpflege dienen diese Daten als wichtige Basis für die unterschiedlichsten Fragestellungen. Der assoziierte Partner und IT-Dienstleister 52° North Spatial Information Research GmbH begleitet das Projekt, um in einer weiteren Förderphase eine neue, leicht händelbare Software für diese Interessensgruppen zu entwickeln.

Mit der Martin Luther-Hauptschule Hamm wird ein weiterer Aspekt im Projekt berücksichtigt: Die Schülerinnen und Schüler begleiten die Umsetzung der Geodaten in die App „route.industriekultur“. FZN und RVR planen außerdem den Aufbau eines Schülerlabors und wollen gemeinsam ensprechende Schulungsunterlagen entwickeln, mit denen Jugendliche für den Erhalt von Industriekultur allgemein, aber auch für mögliche Berufswege in diesem Themenkomplex begeistert werden sollen.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das innovative Gemeinschaftsprojekt bis Ende 2022 (Förderkennzeichen 37668/01-45).

Partner

Projektziele

  • Entwicklung einer innovativen Methode zur Datenerfassung und -analyse an Denkmälern der Industriekultur, die durch anthropogen bedingte Umwelteinflüsse beeinträchtigt werden
  • Digitale Simulation möglicher Prozesse und Aufbau eines langfristigen Risikomanagements für Bergbaufolgen
  • Zusammenarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei der Integration hochauflösender 3D-Modelle in die App „route.industriekultur“ zur Wissensvermittlung und Stärkung der regionalen Identität
  • Verknüpfung von digitalen und materialwissenschaftlichen Aspekten des Denkmalschutzes, um die Attraktivität des Berufsfeldes zu steigern und Nachbergbau-Forschung als wichtige Zukunftsaufgabe zu vermitteln.

Kontakt

Dr. Bodo Bernsdorf

TH Georg Agricola
Herner Str. 45
44787 Bochum
Gebäude 2, Raum 106

Tel 0234 968 4210
Mail bodo.bernsdorf@thga.de

Julia Tiganj, M.A.

TH Georg Agricola
Herner Str. 45
44787 Bochum
Gebäude 2, Raum 103

Tel 0234 968 4147
Mail julia.tiganj@thga.de

Prof. Dr. Michael Prange

TH Georg Agricola
Herner Str. 45
44787 Bochum
Gebäude 5, Raum 316

Tel 0234 968 4043
Mail michael.prange@thga.de