Memorandum of Understanding stärkt Forschung zur Transformation von Bergbaufolgelandschaften

By 13. Januar 2026Januar 16th, 2026Forschungskooperation, Neuigkeit

Das Forschungszentrum Nachbergbau und das Forschungsinstitut für Bergbaufolgelandschaften e. V. (FIB) haben eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, MoU) zur akademischen Zusammenarbeit unterzeichnet. Ziel der Vereinbarung ist es, die wissenschaftliche Kooperation in zentralen Fragen des Nachbergbaus und der nachhaltigen Entwicklung bergbaubeeinflusster Regionen zu intensivieren, Ressourcen für gemeinsame Aktivitäten besser zu mobilisieren und den Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis zu stärken. Im Vorfeld zur digitalen Unterzeichnung empfing das FZN die Gäste des Forschungsinstituts für Bergbaufolgelandschaften e. V. (FIB) in Bochum, wobei gegenseitig die relevanten Forschungsfelder vorgestellt, sowie die MoU inhaltlich abgestimmt wurde.

Die Vereinbarung schafft nun einen Rahmen für eine langfristig angelegte Zusammenarbeit in Bereichen, in denen beide Einrichtungen gemeinsame Interessen in der politik- und praxisrelevanten Forschung verfolgen. Im Fokus stehen insbesondere interdisziplinäre Ansätze, die ökologische, sozioökonomische und technologische Perspektiven verbinden. Damit soll die Wirksamkeit bestehender Programme erhöht und die Realisierung gemeinsamer Ziele beschleunigt werden.

Zwei Einrichtungen mit komplementären Stärken

Das FZN wurde 2015 gegründet und arbeitet als privates, unabhängiges Non-Profit-Forschungszentrum mit inter- und transdisziplinärer Ausrichtung. Als international vernetztes Forschungszentrum befasst es sich mit globalen wie regionalen Herausforderungen – wie unter anderem den gleichermaßen gelingenden wie sicheren Nachbergbau, Strukturwandel, Ressourcensicherheit, ökologische Fragestellungen als auch die Gegenwarts- und Zukunftsaufgaben durch den Klimawandel. Zu den thematischen Schwerpunkten zählen unter anderem nachhaltiges Wassermanagement, die sogenannten Ewigkeitsaufgaben des Steinkohlebergbaus, Geo- und Umweltmonitoring, Materialwissenschaften, Landnutzung sowie Transformationsprozesse in post-industriellen Regionen.

Foto:FZN

Das FIB mit Sitz in Finsterwalde wurde bereits 1992 gegründet und verfolgt einen anwendungsorientierten Forschungsansatz in Landschaften, deren Leistungs- und Funktionsfähigkeit durch menschliche Einflüsse – insbesondere Bergbau und Klimawandel – beeinträchtigt ist. Ziel ist es, ökologisch stabile und vielfältig nutzbare Landschaften zu gestalten und nachhaltig zu entwickeln. Das Institut erarbeitet Handlungsleitfäden und Konzepte und entwickelt Entscheidungsunterstützungssysteme, häufig in Kooperation mit Partnern aus land- und forstwirtschaftlicher Praxis, Industrie, Verwaltung und weiteren Wissenschaftseinrichtungen. Thematische Schwerpunkte sind die land- und forstwirtschaftliche Rekultivierung, Gewässerökologie sowie Landschaftsentwicklung und Naturschutz.

Durch diese unterschiedlichen, aber ergänzenden Profile entsteht eine Partnerschaft, die sowohl wissenschaftliche Exzellenz als auch Praxisnähe in den Mittelpunkt rückt.

Schwerpunkt: Nachhaltige Bewirtschaftung von Georessourcen und Übergänge nach dem Bergbau

Kernanliegen der Zusammenarbeit ist die Förderung interdisziplinärer Kooperation und des Wissensaustauschs rund um die nachhaltige Bewirtschaftung von Georessourcen sowie Übergänge nach dem Bergbau. Dabei sollen ökologische, sozioökonomische und technologische Aspekte gemeinsam betrachtet werden.

Als mögliche Kooperationsfelder werden Forschungsprojekte auf nationaler wie auf internationaler Ebene aufgeführt. Dazu gehören Fragestellungen der Landnutzung in Nachbergbauregionen ebenso wie Rekultivierung, Sanierung und Wiederherstellung nach dem Bergbau. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Monitoring und dem langfristigen Management ehemaliger Bergbaugebiete. Ergänzend werden Ansätze der Kreislaufwirtschaft in postextraktiven Regionen, klimaresiliente Transformation bergbaubeeinflusster Landschaften sowie die Wiederherstellung eines naturnahen Wasserhaushalts als Themenfelder benannt. Auch ökologische Entwicklungen von Bergbaufolgelandschaften, Bürgerforschung und Partizipation, Bewusstseinsbildung und Stakeholder-Mapping sowie Wissenstransfer und Wissenschaftskommunikation sind Bestandteil des Kooperationsrahmens.

Damit adressiert die Vereinbarung zentrale Herausforderungen vieler Regionen, die sich nach dem Ende des aktiven Bergbaus neu ausrichten müssen: die Stabilisierung und Entwicklung von Landschaften und Gewässern, die langfristige Sicherung von Flächenfunktionen sowie die Gestaltung des Strukturwandels unter veränderten klimatischen Bedingungen.

Geplante Formate: Forschung, Austausch und Dialog

Die Kooperation soll sich nicht auf einzelne Projekte beschränken, sondern in unterschiedlichen Formaten umgesetzt werden. Vorgesehen sind unter anderem die gemeinsame Organisation wissenschaftlicher Seminare, Workshops und Kapazitätsaufbau-Aktivitäten mit ressourcenbezogenem und evidenzbasiertem Schwerpunkt. Darüber hinaus sind öffentliche Veranstaltungen, politische Dialoge und multilaterales Engagement geplant, um Ziele nachhaltiger Entwicklung zu unterstützen.

Ein weiterer Baustein betrifft Austauschprogramme für Forschende, technisches Personal und Stipendiatinnen und Stipendiaten. Genannt werden kurzfristige Besuche, die gemeinsame Betreuung von Abschlussarbeiten sowie Praktika.

Mit der Absichtserklärung wird eine strukturierte Basis geschaffen, um Forschung und Transfer im Themenfeld Nachbergbau und Bergbaufolgelandschaften weiter zu bündeln. Die im Memorandum genannten Themen – von Rekultivierung und Wasserhaushalt über Klimaresilienz und Kreislaufwirtschaft bis hin zu Partizipation und Wissenschaftskommunikation – verdeutlichen den Anspruch, technische Lösungen, ökologische Stabilisierung und gesellschaftliche Perspektiven gemeinsam zu betrachten.

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