Deutsch-indische Partnerschaft für einen nachhaltigeren Umgang mit Georessourcen und Landtransformation: Das FZN und das Centre of Excellence for Sustainable Land Management (COE-SLM) beim Indian Council of Forestry Research and Education (ICFRE), das unter dem Dach des indischen Ministeriums für Umwelt, Wald und Klimawandel (MoEFCC) tätig ist, besiegeln die strategische Zusammenarbeit. Mit der Unterzeichnung von einem Memorandum of Understanding (MoU) wird angestrebt, die bilaterale Zusammenarbeit in den Bereichen der nachhaltigen Exploration und Nutzung von Georessourcen, Nachbergbautransformation und Landnutzungsgovernance zu stärken.
Das MoU ist in die strategische Partnerschaft zwischen Deutschland, der Europäischen Union und Indien eingebettet und unterstützt unmittelbar die jüngst intensivierte deutsch-indische Rohstoffpartnerschaft, die auf höchster politischer Ebene hervorgehoben wurde, unter anderem beim Besuch des deutschen Bundeskanzlers in Indien.
Rohstoffsicherheit, Wassermanagement und Naturschutz zusammen denken
Indien verfügt über vielfältige Georohstoffe und Technologiematerialien, die für die Energiewende und die industrielle Transformation Deutschlands essenziell sind. Ihre verantwortungsvolle Erschließung erfordert jedoch integrierte Ansätze, die Rohstoffgewinnung mit Wassermanagement, Umweltschutz und langfristiger Nachbergbauplanung verbinden.
Bei dieser Zusammenarbeit bringt das FZN seine international anerkannte Expertise ein in den Bereichen:
- Grubenwassermanagement, einschließlich Baggerseen- und Poldersystemen sowie langfristiger Pumpkonzepte und kontrollierter Flutungskonzepte
- Vermeidung und Behandlung saurer Grubenwässer (Acid Mine Drainage, AMD), einschließlich hydrogeochemischem Monitoring und Risikominderung
- Minenschließung, Rehabilitation und langfristiges Umweltmonitoring
- Nachbergbau-Landnutzung, Schutz des industriellen Erbes und adaptive Nachnutzung, die Sicherheit, Ökologie und Regionalentwicklung miteinander verbindet
- Industriekultur und denkmalgestützte Regeneration, bei der ehemalige Bergbaustandorte in Potenziale für Bildung, Innovation und lokale Wirtschaftsentwicklung überführt werden
Diese Kompetenzen gründen auf den langen Bergbau- und Nachbergbauerfahrungen des Ruhrgebiets, mit seinem Stellenwert als einer der weltweit am stärksten transformierten Industrielandschaften.
„Nachhaltige Rohstoffsicherheit kann nur erreicht werden, wenn Landnutzung, Wassermanagement und Naturschutz von Anfang an gemeinsam geplant werden. Im Bereich Land Use & Transition am FZN konzentrieren wir uns darauf, Nachbergbau-Strategien in Gewinnungs- und Entwicklungspfade zu integrieren, damit Landschaften auch lange nach dem Ende bergbaulicher Aktivitäten funktional, resilient und gesellschaftlich akzeptiert bleiben.“
Dr. Julia Haske
Leiterin des Bereichs Land Use & Transition
Centre of Excellence for Sustainable Land Management: Ein strategischer Anker innerhalb des indischen Ministeriums für Umwelt, Wald und Klimawandel
Das Centre of Excellence for Sustainable Land Management (COE-SLM), als Teil des Indian Council of Forestry Research and Education (ICFRE) und direkt im Umfeld des Ministry of Environment, Forest and Climate Change (MoEFCC) verankert, bringt starke institutionelle, wissenschaftliche und politiknahe Kompetenzen in die Partnerschaft ein. Zu seinen Kernstärken zählen:
- Nachhaltiges Landmanagement und Renaturierung
- Wald-Land-Rohstoff-Schnittstellen
- Biodiversitätsschutz und ökosystembasierte Ansätze
- Politikberatende Funktionen im Einklang mit nationalen Umweltprioritäten
- Kapazitätsaufbau für öffentliche Institutionen und Umsetzungsbehörden
Darüber hinaus stärkt das COE-SLM Initiativen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik, Wissensplattformen sowie Programme zum Kapazitätsaufbau im Einklang mit den indischen Verpflichtungen zu Land Degradation Neutrality, Ökosystemrenaturierung und Klimaresilienz. Als Centre of Excellence unter dem Dach des ICFRE dient es zudem als strategische Plattform zur Förderung der Süd-Süd-Kooperation, indem es den Austausch von Wissen, bewährten Praktiken und politikrelevanten Lösungen zwischen Ländern des Globalen Südens unterstützt, um nachhaltiges Landmanagement und restaurationsbasierte Entwicklungspfade voranzubringen.
Als mit dem MoEFCC verknüpftes Centre of Excellence spielt das COE-SLM eine zentrale Rolle dabei, Forschung in anwendbare Handlungsrahmen für Ministerien, Regulierungsbehörden und staatliche Stellen auf Bundesstaatenebene zu überführen – und ist damit ein naheliegender Partner, um Nachbergbau und Georohstoff-Governance in breitere Umwelt- und Klimastrategien zu integrieren.
„Diese Zusammenarbeit spiegelt unser gemeinsames Bekenntnis wider, nachhaltiges Landmanagement, ökologische Wiederherstellung und verantwortungsvolle Rohstoff-Governance zusammenzuführen. Durch diese Partnerschaft wollen COE-SLM und ICFRE wissenschaftliche Exzellenz mit praktischen Lösungen verbinden, die langfristige ökologische Resilienz und nachhaltige Entwicklung unterstützen“, sagt Kanchan Devi, Generaldirektorin des ICFRE.
Europäische Erfahrung – kontextsensibel für Indien
Das FZN verfügt über umfassende Erfahrung in Forschungs- und Innovationsprojekten der Europäischen Union und arbeitet in vielfältigen Partnerschaftsmodellen mit Regierungen, Wissenschaft und Industrie. Seine Forschenden sind interregional und international erfahren und können dadurch europäische regulatorische, technische und Governance-Ansätze auf die föderalen Strukturen, die ökologische Vielfalt und die entwicklungspolitischen Prioritäten Indiens übertragen und anpassen.
Darüber hinaus unterhält das FZN ein aktives und wachsendes Netzwerk in Indien, das es ermöglicht, gemeinsame Aktivitäten lokal zu verankern und durch weitere institutionelle und regionale Partnerschaften auszubauen.
Beitrag zur deutsch-indischen Rohstoffpartnerschaft
Das MoU leistet einen substanziellen Beitrag zur deutsch-indischen Rohstoffpartnerschaft und adressiert nicht nur Rohstoffsicherheit, sondern auch:
- Governance-Strukturen für nachhaltige Rohstoffgewinnung
- Management von Wasser- und Landnutzungskonflikten
- Langfristige ökologische und sozioökonomische Resilienz
- Verantwortungsvolle Schließung und Nachbergbautransformation
Durch die Verbindung deutschen Know-hows in Grubenwassermanagement, Nachbergbau und der Transformation industriellen Erbes mit indischer Exzellenz in Landmanagement, Forstwirtschaft und Umweltgovernance schafft die Partnerschaft eine ganzheitliche Plattform für die nachhaltige Entwicklung von Georohstoffen.
Ein Rahmen für langfristige Zusammenarbeit
Über die gemeinsame Forschung hinaus schafft die Vereinbarung einen Rahmen für Kapazitätsaufbau, anwendungsorientierte Weiterbildung und strategischen Dialog für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, Regulierungsbehörden, Praktikerinnen und Praktiker sowie Forschende in beiden Ländern. Weitere gemeinsame Projekte werden erwartet und dürften die deutsch-indische Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Rohstoffen, Umwelt und nachhaltiger Entwicklung weiter stärken.
„Das MoU markiert den Beginn einer formalen Zusammenarbeit mit dem vorrangigen Ziel, komplementäre Kompetenzen und Kapazitäten zu nutzen, um den Beitrag von Wäldern und Forstwirtschaft zu nachhaltiger Entwicklung, zur Bekämpfung des Klimawandels und der Landdegradation sowie zum Grubenwassermanagement und zur Wiederherstellung von Bergbaufolgelandschaften zu stärken. ICFRE und FZN sind gemeinsam in der Lage, hierzu bedeutende Beiträge zu leisten, indem sie forstbezogene Wissenschaft mit politischen Strategien und praktischer Umsetzung vor Ort verbinden“, erklärt Dr. Rajesh Sharma, Direktor für internationale Zusammenarbeit beim ICFRE.
„Die Zukunft der Georohstoffentwicklung wird nicht nur dadurch entschieden, was wir gewinnen, sondern auch dadurch, wie wir Wasser, Land und Landschaften noch lange nach dem Ende der Gewinnung bewirtschaften. Durch diese Partnerschaft mit dem COE-SLM beim ICFRE und dem MoEFCC verbinden wir deutsche Expertise im Nachbergbau und Grubenwassermanagement mit Indiens Führungsrolle im nachhaltigen Landmanagement, um eine wirklich integrierte Rohstoffstrategie zu unterstützen“
Dennis Pulimittathu
Chief Strategy Officer für Internationalisierung & Global Support Center am Forschungszentrum Nachbergbau
Fotos auf dieser Webseite: FZN & ICFRE



