Virtueller Kohleausstieg: Neues EU-Projekt zum Recycling ehemaliger Bergbauflächen

By 29. Juli 2020 August 27th, 2020 Top-Neuigkeit

Im Projekt „TRIM4Post-Mining“ arbeiten viele europäische Partner aus Industrie und Wissenschaft zusammen. Ihr Ziel: ein integriertes Planungstool für den Übergang von der Kohlengewinnung zur intelligenten Nachnutzung.

Wie wird aus einer ehemaligen Bergbaufläche eine wiederbelebte Landschaft? Was muss passieren, damit die Areale neu genutzt werden können? Um solche Szenarien in Zukunft umfassend simulieren zu können, startet jetzt das neue Projekt „TRIM4Post-Mining“, an dem auch das Forschungszentrum Nachbergbau der THGA beteiligt ist: Europäische Experten aus Industrie und Forschung, entwickeln gemeinsam ein integriertes Informationsmodellierungssystem, mit dem sich der Abschied von der Kohle virtuell planen lässt – vom aktiven Abbau bis hin zur Nachnutzung der stillgelegten Bergbaufläche. Dies soll auch dazu beitragen, dass wertvolle Materialien aus alten Halden der Braun- und Steinkohleindustrie zurückzugewinnen werden können. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungszentrums Nachbergbau arbeiten hier eng zusammen mit der TU Freiberg, der TU Delft sowie den Unternehmen Beak Consultants, MIBRAG, Special Industries und Eijkelkamp SonicsSampdrill. Das Projekt ist Teil des EU-finanzierten Research Fund Coal and Steel (RCFS).

Wie wird die Bergbaulandschaft wieder nutzbar? Das wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im EU-Projekt „TRIM4Post-Mining“ simulieren. (Foto: THGA/Volker Wiciok)

Sogar Virtual und Augmented Reality sollen zum Einsatz kommen, um die Neunutzung von Bergwerksarealen zu optimieren, erklärt Dr. Stefan Möllerherm vom Forschungszentrum Nachbergbau: „Dazu müssen wir unsere geplante Datenbank aber zunächst mit vielen Informationen füttern, die wir dann räumlich-zeitlich betrachten können. Moderne Überwachungssysteme wie Satelliten, hochauflösende Drohnenbilder oder Multisensoren helfen uns dabei.“ So wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch die dynamischen Prozesse in Bergehalden, Verformungen oder geochemische Prozesse im Untergrund analysieren. „Am Ende steht dann ein interaktives TRIM, also ein „Transition Information Modeling System“, das es uns ermöglicht, detaillierte Vorhersagen zu treffen und daraus ein Risikomanagement abzuleiten“, hofft Dr. Möllerherm.

Satellitenbilder, multispektrale Drohnen-Aufnahmen, Geo-Sensoren: erst wenn die Daten aus aktiven und ehemaligen Bergbaugebieten integriert betrachtet werden, entsteht ein ganzheitliches Bild. (© THGA/Volker Wiciok)

Nicht nur die technischen Auswirkungen des Nachbergbaus lassen sich so simulieren, auch die soziale und ökologische Machbarkeit soll das Planungssystem später individuell überprüfen können. Auf diese Weise lassen sich auch Bereiche identifizieren, die besonders saniert oder langfristig kontrolliert werden müssen. „Vor allem wenn die alten Flächen für landwirtschaftliche Zwecke, zur Naherholung oder wieder industriell genutzt werden sollen, gibt es viele Auflagen“, weiß Dr. Möllerherm von der THGA. Mit „TRIM4Post-Mining“ wollen die Nachbergbau-Experten die umfassenden Planungsprozesse und Prüfverfahren enorm erleichtern.

This project has received funding from the Research Fund for Coal and Steel under grant agreement No 899278.

Kontakt

Dr. Stefan Möllerherm
Technische Hochschule
Georg Agricola
Herner Straße 45
44787 Bochum
Gebäude 2, Raum 210

Telefon 0234 968 327268 3272
Mail
stefan.moellerherm@thga.de

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