Ein wichtiger Schritt bei der Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Datenraums für kritische Rohstoffe: Die Partner des Projekts CRMsDataSpace kamen in in Avilés (Spanien) zu ihrem zweiten Partnertreffen zusammen. Foto: CRMsDataSpace
Die europäische Debatte um kritische Rohstoffe (Critical Raw Materials, CRM) gewinnt weiter an Bedeutung. Dabei rücken zunehmend auch Bergbauabfälle in den Fokus – nicht nur als Umweltverantwortung, sondern auch als potenzielle sekundäre Rohstoffquelle. Um dieses Potenzial realistisch bewerten zu können, braucht es jedoch mehr als technologische Lösungen allein: Entscheidend sind belastbare Daten, interoperable Informationsstrukturen und ein langfristiger Blick auf Bergbaufolgelandschaften. Das europäische Projekt CRMsDataSpace und die EGU-Session „From Risk to Resource: EO for Mine Waste“ zeigen hierbei, warum der Umgang mit Bergbauabfällen frühzeitig, datenbasiert und strategisch gedacht werden muss.
Genau hier setzt das europäische Projekt CRMsDataSpace an. Ziel des Vorhabens ist es, einen gemeinsamen europäischen Datenraum für kritische Rohstoffe mitzugestalten und Informationen zu bergbaulichen Reststoffen besser zugänglich, vergleichbar und nutzbar zu machen. Damit schafft das Projekt eine wichtige Grundlage, um Risiken, Materialpotenziale und Nachnutzungsoptionen künftig fundierter bewerten zu können.
Beim zweiten Partnertreffen von CRMsDataSpace am 16. April 2026 in Avilés (Spanien) standen die nächsten Entwicklungsschritte des Projekts im Mittelpunkt. Diskutiert wurden unter anderem Fortschritte beim Datenkatalog, bei der Weiterentwicklung des Data Space, bei Plattform- und Tool-Lösungen sowie bei Fragen der Governance, Datenharmonisierung und Datenerfassung. Die Gespräche verdeutlichten zugleich, dass die Herausforderung im Bereich Bergbauabfälle nicht allein technischer Natur ist.
Fotos: Hernan Flores / FZN
Denn in vielen Fällen sind Informationen zu Bergbauabfällen nach wie vor fragmentiert, schwer vergleichbar oder nur eingeschränkt zugänglich. Hinzu kommen unterschiedliche institutionelle Rahmenbedingungen, technische Standards und nationale Kontexte. Das erschwert nicht nur die Bewertung von Umweltwirkungen, sondern auch die Frage, ob und unter welchen Bedingungen bergbauliche Reststoffe künftig als Ressource betrachtet werden können.
Für das Forschungszentrum Nachbergbau (FZN) der Technischen Hochschule Georg Agricola ist diese Perspektive von besonderer strategischer Relevanz. Nachbergbau darf dabei nicht ausschließlich als Phase nach der Stilllegung verstanden werden. Vielmehr geht es um eine ganzheitliche Betrachtung des gesamten Lebenszyklus bergbaulicher Aktivitäten – von frühen Entscheidungen in Exploration, Gewinnung und Aufbereitung bis hin zu Fragen des langfristigen Umgangs mit Wasser, Reststoffen, Flächennutzung und potenzieller Rohstoffrückgewinnung.
FZN-Teilnahme an der EGU General Assembly 2026
Diese Sichtweise gewinnt auch in der internationalen wissenschaftlichen Diskussion an Bedeutung. Im Rahmen der EGU General Assembly 2026 in Wien organisiert Hernan Flores Rojas gemeinsam mit internationalen Partnern die Session „From Risk to Resource: EO for Mine Waste“ (ERE 4.2). Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Erdbeobachtung, Datenintegration und multi-skalige Monitoringansätze dazu beitragen können, Bergbauabfälle sowohl als Umweltrisiko besser zu verstehen als auch ihr Potenzial als sekundäre Rohstoffquelle systematisch zu bewerten.
Damit verbindet sich ein zentrales Anliegen, das auch für CRMsDataSpace richtungsweisend ist: Der zukünftige Umgang mit Bergbauabfällen in Europa erfordert nicht nur Innovationen in der Technologie, sondern auch Fortschritte bei Datenverfügbarkeit, Standardisierung, Interoperabilität und Governance. Erst wenn diese Ebenen zusammen gedacht werden, können tragfähige Strategien für Risikomanagement, Ressourceneffizienz und nachhaltige Nachnutzung entstehen.
Mit seiner Beteiligung an CRMsDataSpace und durch die aktive Mitgestaltung internationaler Fachdebatten stärkt das FZN seine Rolle an der Schnittstelle von Nachbergbau, Digitalisierung und nachhaltigem Ressourcenmanagement in Europa.
Kontakt
Hernan Flores, M.Sc.
TH Georg Agricola
Herner Str. 45
44787 Bochum
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Tel 0234 968 3807
Mail hernan.flores@thga.de


