© Jennifer Zumbusch / Haus der Geschichte
Ein schwarzer, rund sieben Kilogramm schwerer Kohlebrocken stand am Donnerstag im Haus der Geschichte in Bonn im Rampenlicht. Bei der feierlichen Übergabe des letzten in Deutschland geförderten Stücks Steinkohle an das Museum nutzten Wissenschaftler:innen vom Forschungszentrum Nachbergbau (FZN) der Technischen Hochschule Georg Agricola (THGA) die Möglichkeit, dem Staatsoberhaupt Deutschlands und der First Lady Elke Büdenbender ihre Forschung zu präsentieren.
Das letzte in Deutschland geförderte Stück Steinkohle steht künftig nicht mehr im Schloss Bellevue, sondern als wichtiges Zeitzeugnis im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Für die feierliche Übergabe am 9. Juli 2026 im Beisein ehemaliger Bergleute wurde der Blick jedoch nicht nur auf die Vergangenheit und die Würdigung des Steinkohlebergbaus als ein sozial wie wirtschaftlich prägendes Element deutscher Geschichte gerichtet, sondern es ergab sich auch die besondere Möglichkeit dem Bundespräsidenten mitzuteilen, wie an der THGA aus Bergbaugeschichte Zukunftswissen wird.
So kam Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an Thementischen mit Studierenden der THGA und Wissenschaftler:innen des FZN darüber ins Gespräch, welche Schlüsselrolle Rohstoffe, Ingenieurwissenschaften und die Gestaltung des Nachbergbaus auch künftig in Deutschland haben werden.
Fotos: © Jennifer Zumbusch / Haus der Geschichte
Deutlich wurde dabei, wie eng an der THGA / dem FZN bergbauliche Tradition und Zukunftsthemen zusammengehören. So zeigten Masterstudentin Jule Gleba und Doktorand Vinicius Inojosa, welche Chancen im Grubenwasser und im Nachbergbau liegen – etwa für nachhaltige Georessourcen, Wassermanagement, Umweltmonitoring und die Nachnutzung ehemaliger Bergbauflächen. Das große Interesse von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender an Wissenschaft zeigte sich auch bei Präsentation der täglichen Arbeitsmittel unserer Forschungseinrichtung. So erklärte unter anderem Dr.-Ing. Marcin Pawlik anhand einer mitgebrachten Drohne deren Sensorik und vielfältigen Möglichkeiten im Geomonitoring, während THGA-Masterstudent Max Kersten Technik zur Analyse von Grubenwasser vorstellte.
Fotos: © Jennifer Zumbusch / Haus der Geschichte
Die Teilnehmer:innen
- Prof. Susanne Lengyel (Präsidentin der THGA)
- Prof. Dr. rer.-nat. Christian Melchers (Leiter des FZN / Vizepräsident der THGA)
- Prof. Dr. rer.-nat. Tobias Rudolph (Professor an der THGA / Studiengangsleiter Masterstudiengang Georessource Engineering / Forschungsbereichsleiter „Geomonitoring im Alt- und Nachbergbau“ am FZN)
- Malin Chrzon (Wissenschaftliche Mitarbeiterin & Doktorandin am FZN)
- Jule Gleba (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am FZN / Studierende der THGA im Masterstudiengang Geoingenieurwesen und Nachbergbau)
- Lena Maria Hoppe (Studierende der THGA im Masterstudiengang Geoingenieurwesen und Nachbergbau)
- Vinicius Inojosa (Wissenschaftlicher Mitarbeiter & Doktorand am FZN)
- Max Kersten (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am FZN / Studierender der THGA im Masterstudiengang Geoingenieurwesen und Nachbergbau)
- Dr.-Ing. Marcin Pawlik (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am FZN)
- Aslan Ashrafi (Hochschulmarketing der THGA)
"Ein großes Privileg": Eindrücke der THGA-Studierenden Jule Gleba
„Es war für mich ein großes Privileg, an diesem besonderen Termin teilzunehmen und einen Teil unserer Arbeit persönlich dem Bundespräsidenten vorstellen zu dürfen. Der direkte Austausch bot eine besondere Gelegenheit, die wissenschaftlichen Fragestellungen des Nachbergbaus und ihre gesellschaftliche Bedeutung zu vermitteln. Dabei wurde deutlich, dass das Ende der Steinkohleförderung im Jahr 2018 nicht das Ende der Auseinandersetzung mit heimischen Rohstoffen und den Folgen ihrer Gewinnung bedeutet. Vielmehr entstehen im Nachbergbau neue Aufgaben und wichtige Forschungsfelder, insbesondere im nachhaltigen Wassermanagement, im Umweltmonitoring und in der zukunftsfähigen Nutzung ehemaliger Bergbauregionen. Als junge Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Studierende tragen wir dazu bei, innovative Lösungen für gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen zu entwickeln. Diese Perspektive an einem so geschichtsträchtigen Ort vermitteln zu können, war für mich eine besondere und prägende Erfahrung!“
Vom Arbeitszimmer des Staatsoberhaupts nach Bonn
Die besondere Beziehung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur deutschen Geschichte des Steinkohlebergbaus, äußerte sich auch an dem letzten Stück Steinkohle, welches in einem emotionalen wie historischen Moment am 21. Dezember 2018 von Bergmännern der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop an ihn übergeben wurde. Seitdem im Arbeitszimmer des Staatsoberhaupts in Schloss Bellevue beheimatet, findet das Kohlestück jetzt seinen ständigen Platz im Haus der Geschichte in Bonn.
Das Ausstellungsobjekt und bedeutendes Symbol der deutschen Industrie- und Sozialgeschichte ist nun permanent Teil der Dauerausstellung „Du bist Teil der Geschichte. Deutschland seit 1945“.
Bundespräsident trifft an der THGA auf junge Ideen für den Nachbergbau
THGA-Präsidentin Prof. Susanne Lengyel, betont nach dem Treffen mit dem Staatsoberhaupt:
„Das letzte Stück Steinkohle erinnert an das Ende einer für das Ruhrgebiet prägenden Industrie. Gleichzeitig zeigt dieser Tag, dass aus dieser Geschichte etwas Neues entstanden ist. Unsere Studierenden entwickeln Lösungen für äußerst aktuelle Fragen. Es macht mich stolz, dass der Bundespräsident genau diese junge Generation kennenlernen wollte. Sie steht stellvertretend für das Wissen und die Innovationskraft, die wir heute aus der Hochschule und unserem Forschungszentrum Nachbergbau heraus in die Welt tragen“
© Jennifer Zumbusch / Haus der Geschichte
Große Freude äußerte auch FZN-Leiter Prof. Christian Melchers über diesen besonderen Tag, an dem sich der Bundespräsident und seine Frau Elke Büdenbender viel Zeit für Gespräche nahmen – als sich auch sehr konkret an den Thementischen über innovative Forschung im Nachbergbau informierten. Hierbei übergab Prof. Christian Melchers mit einem kleinen 3D-gedruckten Büste von Georg Agricola das Markenzeichen der THGA an den Bundespräsidenten. Prof. Tobias Rudolph überreichte derweil als handlichen Wissensvermittler – der nicht nur jungen Menschen den Nachbergbau verdeutlicht – die seit langem vom FZN herausgegebenen Pixi-Heftchen „Die Nachbergbau-Detektive“.
Prof. Tobias Rudolph, Leiter des Forschungsschwerpunkts „Geomonitoring im Alt- und Nachbergbau“, hebt die Perspektive der Präsentationen und Gespräche positiv hervor:
„Mir war wichtig, dass dieser Termin nicht mit dem letzten Stück Kohle endet, sondern dort beginnt, wo unsere Zukunft liegt. Der Bergbau hat Deutschland geprägt, und der Nachbergbau gestaltet die Zukunft. Wenn wir verstehen, was unter unseren Füßen entstanden ist, können wir Rohstoffe künftig nachhaltiger gewinnen, Landschaften intelligenter nutzen und neue Technologien entwickeln.“ Das Fazit von Prof. Tobias Rudolph unterstreicht die Dankbarkeit für das Treffen und die damit verbundene Möglichkeit eine nachbergbauliche Perspektive zu vermitteln: „Der Bergbau hat Deutschland geprägt, der Nachbergbau gestaltet die Zukunft. Dass unsere Studierenden diese Geschichte dem Bundespräsidenten selbst erzählen konnten, war der eigentliche Höhepunkt des Tages!“



