„Clean Energy, Restored Lands“: Konferenz zeigt den gelingenden Wandel in Europas Kohleregionen

By 1. Oktober 2026Oktober 2nd, 2026Top-Neuigkeit

Die internationale Konferenz „Clean Energy, Restored Lands: The Path Forward for Coal Regions“ zeigte am 29. und 30. September 2026 in Bochum, wie nachhaltiger und gerechter Strukturwandel in Kohleregionen gelingen kann. Anhand von Projekten des Europäischen Forschungsfonds für Kohle und Stahl (RFCS) wurden erfolgreiche Transformationsansätze aus der EU konkret, anschaulich und praxisorientiert präsentiert. Hochrangige Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Industrie und regionaler Praxis diskutierten hierbei Wege für eine zukunftsfähige Entwicklung ehemaliger Kohlestandorte. Das FZN freut sich als Veranstaltungsorganisator zu diesen gelungenen Tagen im Deutschen Bergbau-Museum und der THGA mitgewirkt zu haben – und dankt gleichermaßen für den inspirierenden Austausch über wichtige Zukunftsthemen Europas.

Bochum war für zwei Tage Schauplatz eines europäischen Austauschs über die Zukunft ehemaliger Kohlestandorte. Die Konferenz „Clean Energy, Restored Lands: The Path Forward for Coal Regions“ brachte Akteur:innen aus europäischen Institutionen, Kommunen, Forschungsinstituten, Energieunternehmen und der Bergbaupraxis zusammen. Im Fokus stand die Frage, wie Forschungsergebnisse schneller in politische Entscheidungen und konkrete Projekte vor Ort überführt werden können – und wie Kohleregionen den Wandel nicht nur bewältigen, sondern aktiv gestalten können. Neben über 200 Teilnehmer:innen vor Ort nutzten viele Interessierte die Möglichkeit zur Onlineteilnahme am Event via Livestreams.

Eröffnet wurde die Veranstaltung im Deutschen Bergbau-Museum durch Jörg Lukat, Oberbürgermeister der Stadt Bochum. In seiner Begrüßung stellte er die Bedeutung des Ruhrgebiets als Lern- und Erfahrungsraum für den Strukturwandel heraus. Dies machte er mit dem Wandel in Bochum, von Bergbau und Stahlindustrie über Automobilproduktion hin zu Digitalwirtschaft, Technologie- und Innovationsorten, deutlich – wobei diese Umbrüche und tiefgreifende Neuorientierungen vom Wirtschaftsstandort Bochum innerhalb weniger Jahrzehnte verliefen. Jörg Lukat betonte hier: „Strukturwandel ist Teil unserer DNA!“ Die Region zeige dabei seit Jahrzehnten, dass aus industriellem Erbe neue Räume für Wissenschaft, Kultur, Freizeit, Wirtschaft und Innovation entstehen können. Exemplarisch verwies der Oberbürgermeister Bochums hierzu auf den Aufbau vom Transformationszentrum für Georessourcen und Ökologie (TGÖ) in Herne.

Zu den hochrangigen Redner:innen gehörten außerdem Silke Krebs, Staatssekretärin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Martin Špolc, Direktor für Wohlstand in der Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission, sowie Marian Zmarzły, Unterstaatssekretär im polnischen Energieministerium. Auch Prof. Alicja Krzemień, Präsidentin des Europäischen Verbands für Kohle und Braunkohle (EURACOAL), setzte wichtige Impulse für den europäischen Dialog. Staatssekretärin Silke Krebs übermittelte in ihrer Willkommensrede Grüße von NRW-Vizeministerpräsidentin Mona Neubaur und sprach die Wichtigkeit des Ziels der Klimaneutralität an. Neben der Thematisierung der großen aktuellen geopolitischen Herausforderungen, des Klimawandels und der digitalen Transformation, stellte sie heraus, wie sehr NRW von Fonds für einen gerechten Übergang („Just Transition Fund“) profitiere.

Impressionen (Tag 1)

Fotos: Donna und der Blitz / Max Wiegand

Forschung und Praxis zusammenbringen

Ein besonderer Mehrwert der Konferenz lag in der Vorstellung konkreter Projekte aus dem Forschungsfonds für Kohle und Stahl der Europäischen Union (RFCS). Die vorgestellten Vorhaben zeigten exemplarisch, wie sich ehemalige Bergbau- und Kraftwerksflächen für die Energiewende, den Klima- und Umweltschutz sowie eine nachhaltige Regionalentwicklung nutzen lassen.

Im Themenfeld Energieproduktion und Energiespeicherung wurden unter anderem Projekte präsentiert, die ehemalige Tagebaue als Standorte für Pumpspeicher untersuchen, thermische Speicher weiterentwickeln oder neue Speicherkonzepte für Wärme und Strom erproben. Dazu gehörten die Projekte ATLANTIS und TRIDENT zu Pumpspeicher- und Wärmespeicherlösungen, CORAL zur Energiespeicherung durch Oxidations- und Reduktionsprozesse von Metallen sowie Vorhaben mit Bezügen zu Wasserstoffproduktion und weiteren Speichertechnologien. Mit POSTEN und SCoLINE wurden zudem innovative Ansätze für schwimmende Photovoltaikanlagen und Solarenergie auf Halden vorgestellt.

Die Diskussion machte deutlich: Ehemalige Kohlestandorte können wichtige Bausteine eines resilienten europäischen Energiesystems werden. Sie bieten Flächen, Netzanbindungen und industrielle Infrastruktur, die sich für Solarenergie, Wasserstoff, Speichertechnologien und CO₂-freie Wärme- und Stromerzeugung weiterentwickeln lassen. Damit können sie einen Beitrag zu Versorgungssicherheit, Klimaschutz und regionaler Wertschöpfung leisten.

Impressionen (Tag 2)

Fotos: Donna und der Blitz / Max Wiegand

Renaturierung, Wasser und Rohstoffe im Blick

Der zweite Schwerpunkt des ersten Konferenztags widmete sich der Sanierung und nachhaltigen Entwicklung von Nachbergbauflächen. Im Mittelpunkt standen Fragen der Rekultivierung & Renaturierung, des Boden- und Gewässerschutzes, des Risikomanagements bei Bodensenkungen und ansteigendem Grubenwasser sowie der Rückgewinnung wertvoller und kritischer Rohstoffe aus Bergbauabfällen.

Hier brachte Dr. des. Julia Haske, Leiterin des Forschungsbereichs „Land Use & Transition“ am Forschungszentrum Nachbergbau der THGA, ihre Expertise ein. Sie verantwortete auf Seiten der THGA die Organisation der Konferenz und prägte damit die Verbindung von europäischer Forschung, regionaler Praxis und politischem Austausch. In ihrem Fachbeitrag stellte sie das RFCS-Projekt POTENTIALS vor. Das Projekt untersucht die Entwicklungschancen stillgelegter Kohlebergwerke und Kohlekraftwerke und fragt danach, wie diese Standorte langfristig für neue Nutzungen erschlossen werden können. Ergänzend stellte sie mit CRMsDataSpace eine Initiative vor, die den Umgang mit Daten zu kritischen Rohstoffen unterstützt und damit einen Beitrag zu strategischer Rohstoffsicherheit leisten kann.

Weitere Beiträge beleuchteten die Rehabilitation von Nachbergbauflächen, darunter das Projekt REECOL, sowie Ansätze zur Nutzung von Reststoffen aus dem Braunkohlenbergbau für traditionelle und innovative Baustoffe im Projekt PRIMI. Deutlich wurde: Eine gelingende Renaturierung kann Natur- und Klimaschutz mit neuen Nutzungsformen für Energie, Gewerbe, Kultur, Freizeit und nachhaltige Industrie verbinden.

Europäische Perspektiven für die Regionen im Wandel

Der zweite Konferenztag an der THGA stand im Zeichen von Politik und der konkreten Umsetzung politischer Ziele. Im Austausch mit Vertreter:innen der Europäischen Kommission ging es um die Frage, welche politischen Rahmenbedingungen nötig sind, damit Forschungsimpulse tatsächlich vor Ort wirksam werden. Alejandro Ulzurrun, kommissarischer Direktor in der Generaldirektion Energie der Europäischen Kommission, erläuterte die Bedeutung der europäischen Energiepolitik für Kohleregionen. Gemeinsam mit Cyril Robin-Champigneul, stellvertretender Referatsleiter für industrielle Transformation in der Generaldirektion Forschung und Innovation, wurde diskutiert, wie Innovationen schneller den Weg in die praktische Anwendung finden können.

In den Panels kamen weiterhin zahlreiche Vertreter:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu Wort. Unter ihnen waren Joachim Löchte, Vorstand Technik der RAG Aktiengesellschaft, Dr. Christian Eling, Leiter der Minenplanung bei RWE Power, sowie Dr. Frank Dudda, Oberbürgermeister der Stadt Herne. Ihre Beiträge machten deutlich, dass der Strukturwandel langfristige Verantwortung verlangt – für Landschaften, Wasser, Infrastruktur und die Menschen in den Regionen.

Auch die europäische Dimension wurde sichtbar: Vertreter:innen aus Polen, Spanien, Tschechien, Griechenland und weiteren Regionen berichteten über ihre Erfahrungen mit dem Ausstieg aus der Kohle, der Rekultivierung von Bergbauflächen und dem Aufbau neuer wirtschaftlicher Perspektiven. Veronica Manfredi, Direktorin für Schadstofffreiheit, Wasserresilienz und grünen urbanen Wandel bei der Europäischen Kommission, setzte zudem wichtige Akzente zu Wasserresilienz und dem verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Hierbei sprach sie auch die Herausforderungen durch den Klimawandel und die Auswirkungen von zunehmenden Dürren an.

Strukturwandel wurde vor Ort erlebbar

Wie vielfältig Transformation aussehen kann, zeigten zum Abschluss drei Exkursionen. Eine Gruppe von Teilnehmer:innen besuchte den nahegelegenen Landschaftspark Hoheward auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Ewald in Herten. Die frühere Bergehalde ist heute ein markanter Freizeit-, Kultur- und Erlebnisort mit weitem Blick über das Ruhrgebiet.

Die zweite Gruppe erkundete das UNESCO-Welterbe Zeche und Kokerei Zollverein in Essen. Der Standort steht beispielhaft für den Wandel industrieller Geschichte zu einem Ort für Kultur, Bildung, Wirtschaft und Tourismus. Ergänzt wurde die Exkursion durch einen Besuch des BRYCK Innovation Hub, der als Innovations- und Start-up-Standort nachhaltige Technologien und neue Geschäftsmodelle fördert.

Die dritte Exkursion führte zum Braunkohletagebau Garzweiler. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in den aktiven Tagebau sowie in Planungen für die spätere Rekultivierung und Nachnutzung. Themen waren unter anderem die geplante Entwicklung eines Sees auf dem ehemaligen Abbaugebiet sowie wasserwirtschaftliche Maßnahmen und neue Perspektiven für die Landschaft nach dem Bergbau.

Impulse für die Zukunft ehemaliger Kohlestandorte

Die Konferenz hat eindrücklich gezeigt, dass Europas Kohleregionen über große Potenziale verfügen: für erneuerbare Energien und Speicher, für Natur- und Gewässerschutz, für neue Industrie- und Innovationsstandorte sowie für eine nachhaltige regionale Wertschöpfung. Zugleich wurde deutlich, dass diese Potenziale nur dann wirksam werden, wenn Forschung, politische Steuerung, wirtschaftliche Akteur:innen und lokale Gesellschaft eng zusammenarbeiten. Dabei wurde deutlich, dass Bochum nicht nur aufgrund des gelebten Strukturwandels und der sichtbaren Bergbaugeschichte, sondern auch als Stadt der Wissenschaft und der Forschung hervorragend geeignet war den europäischen Dialog über eine gerechte, innovative und nachhaltige Zukunft ehemaliger Kohleregionen auszurichten.

Die Ausrichter des High-Level-Events

Unter der Schirmherrschaft der Landesregierung Nordrhein-Westfalen wurde die Konferenz „Clean Energy, Restored Lands: The Path Forward for Coal Regions“ gemeinsam von der Europäischen Exekutivagentur für die Forschung, die den Forschungsfonds für Kohle und Stahl verwaltet, dem Europäischen Verband für Kohle und Braunkohle (EURACOAL), der Technischen Hochschule Georg Agricola und der Initiative der Europäischen Kommission für Kohleregionen im Wandel organisiert.

Mehr Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

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