Starke deutsch-polnische Beziehungen: MITIGATE-Projekt trifft sich in Wrocław

Vom 17. bis 25. Oktober 2026 war ein Team vom FZN zu Gast an der Technischen Universität Wrocław (Wrocław University of Science and Technology – WUST). Auf dem Programm standen gemeinsame Feldarbeiten an der Halde Wiesław, die Auswertung von Geodaten und wissenschaftliche Beiträge zur „XXVI Conference of PhD Students and Young Scientists“. Der Besuch unterstrich die enge und langjährige Zusammenarbeit des FZN mit polnischen Partnerinstitutionen, die sich in einem intensiven wissenschaftlichen Austausch, gemeinsamen Forschungsprojekten und der praktischen Zusammenarbeit im Bereich des Geomonitoring widerspiegelt.

Im Rahmen des Projekts MITIGATE (Monitoring of Geoenvironmental Hazards in the Post-Mining Areas) besuchte ein Team des FZN Wrocław University of Science and Technology (WUST) in der Woiwodschaft Niederschlesien. Zum MITIGATE-Team des FZN gehörten Prof. Tobias Rudolph, Dr. Bodo Bernsdorf, Dr.-Ing. Marcin Pawlik, Hernan Flores, Vinicius Inojosa und Nyein Than Thar Lwin. Der wissenschaftliche Mitarbeiter des FZN, Saidjamol Akbarov, reiste ebenfalls nach Polen, um an der „XXVI Conference of PhD Students and Young Scientists“ teilnehmen, die den Abschluss des Aufenthalts bildete.

Der Aufenthalt verband fachlichen Austausch mit gemeinsamer Feldarbeit in nachbergbaulich geprägten Landschaften, der Auswertung von Geodaten und wissenschaftlichen Präsentationen. Nach der Begrüßung am Geocentrum der Wrocław University of Science and Technology und einer Vorstellung der Universität sowie der Fakultät für Geoingenieurwesen, Bergbau und Geologie, insbesondere des Lehrstuhls für Geodäsie und Geoinformatik, durch Prof. Jan Blachowski standen zunächst die Vermessungsausrüstung und die Planung der photogrammetrischen Befliegung auf dem Programm, bevor die gemeinsame Feldarbeit mit Drohneneinsätzen begann.

Photos: FZN

Geomonitoring an der Halde Wiesław in Niederschlesien

Ein besonderer Schwerpunkt des Projekttreffens in Polen lag auf der praktischen Arbeit im Gelände. Am 20. Oktober begannen so die Feldarbeiten an der Kohlebergbauhalde Wiesław in Wałbrzych (Niederschlesien). Wałbrzych blickt auf eine lange und bewegte Steinkohlenbergbaugeschichte zurück und zeigt viele Parallelen zum Ruhrgebiet. Über Jahrhunderte prägte der Bergbau die Wirtschaft, die Gemeinden und die Landschaft der Region und wurde so zu einem wesentlichen Bestandteil ihres industriellen Erbes. Nach der Schließung der Bergwerke in den 1990er-Jahren blieben die ehemaligen Bergbaustandorte und Halden als Zeugnisse dieser Vergangenheit zurück. Die Halde Wiesław, deren bergbauliche Nutzung vor rund 30 Jahren endete, bot dem MITIGATE-Team daher eine geeignete Untersuchungsfläche, um die Entwicklung von Bergbaufolgelandschaften zu erforschen.

Die Geomonitoring-Teams des FZN und der WUST kombinierten in ihrer Arbeit multispektrale, thermographische und LiDAR-Drohnenaufnahmen mit geologischen und botanischen Beobachtungen. Ergänzend wurden thermographische Messungen zur Untersuchung räumlicher Unterschiede der Oberflächentemperatur durchgeführt.

Das deutsch-polnische Team vermaß weiterhin sogenannte Passpunkte (Ground Control Points, GCPs) und konnte mittels modernster Drohnentechnologie eine umfassende Datengrundlage schaffen, mit der sich Vegetation, Oberflächenbeschaffenheit und räumliche Temperaturunterschiede gleichermaßen untersuchen lassen. Beteiligt waren hier unter anderem Prof. Jan Błachowski, Kinga Romańczukiewicz, Aleksandra Kaczmarek und Dr. Jarosław Wajs von der WUST sowie das FZN-Team.

An die Feldarbeiten schlossen sich am Geocentrum die Nachbearbeitung der photogrammetrischen und thermischen Daten, die Verarbeitung der Geländemessungen und die gemeinsame Interpretation der Ergebnisse an.

Photos: FZN

Vorträge und Poster auf der CPSYS-Konferenz

Vom 22. bis 23. Oktober nahm das FZN-Team an der XXVI Conference of PhD Students and Young Scientists (CPSYS) in der Wroclaw University of Science and Technology (WUST) teil. Die interdisziplinär ausgerichtete Konferenz behandelte Themen aus den Bereichen Bergbau, Geologie und Geomatik und bot Gelegenheit, aktuelle Forschungsergebnisse vorzustellen und mit anderen Wissenschaftler:innen zu diskutieren.

Prof. Tobias Rudolph und Dr. Bodo Bernsdorf waren Mitglied des wissenschaftlichen Komitees der Konferenz. Zudem übernahmen Dr.-Ing. Marcin Pawlik und Dr. Bodo Bernsdorf die Leitung von Konferenzsessions. Die Beiträge des FZN befassten sich unter anderem mit folgenden Themen aus den Bereichen Geomonitorings / der Fernerkundung:

  • „Evaluation of Stationary Methane Sensors for Underground Storage Facilities Monitoring“ von S. Akbarov, J.-H. Sonnhof, T. Rudolph und L. N. Josler
  • „Advancing Post-Mining Monitoring Through Standardized and Reproducible UAV-Based Hyperspectral Workflows“ von H. Flores, T. Rudolph und J. Benndorf
  • „Integrating Interferometric and Polarimetric SAR with Optical Indices Overlap with Spatial Decision Support System“ von V. Inojosa, H. Flores, M. Pawlik, B. Haske und T. Rudolph
  • „Integrated Geomonitoring of Post-Mining Waste Heaps Using UAV, Satellite Remote Sensing and Mobile GIS Technologies“ von N. T. T. Lwin und Mitautor:innen
  • „UAV Remote Sensing and Geospatial Inventory of German Coal Heaps for Fire Risk Assessment within the FRAM Project“ von M. Pawlik

Ergänzend wurden folgende Poster präsentiert:

  • Pawlik, M.; Akbarov, S.; Rudolph, T. “‘Pechkohle” Heaps in Penzberg and Peißenberg, Bavaria: Six Decades of Post-Mining Landscape Evolution”.
  • Romańczukiewicz, K.; Zubíček, V.; Pawlik, M.; Górniak-Zimroz, J.; Błachowski, J. “Post-Mining Spoil Heaps at Different Stages of Reclamation and Ecological Succession: Case Studies from Poland, Germany and Czechia”

Photos: FZN

Langjährige deutsch-polnische Zusammenarbeit

Der Besuch in Wrocław stand beispielhaft für die engen und gewachsenen Beziehungen des FZN zu polnischen Partnerinstitutionen. Gemeinsame Forschungsprojekte, ein intensiver wissenschaftlicher Austausch und regelmäßige gegenseitige Besuch bilden seit Jahren die Grundlage dieser Partnerschaft. Zu den polnischen Partnern des FZN in verschiedenen Forschungsprojekten zählen unter anderem das Główny Instytut Górnictwa – Państwowy Instytut Badawczy (GIG-PIB), das Instytut Techniki Górniczej KOMAG, das Instytut Mechaniki Górotworu der Polnischen Akademie der Wissenschaften (IMG PAN), das Poltegor-Instytut sowie die Spółka Restrukturyzacji Kopalń S.A. (SRK) and Węglokoks S.A. Auch im Rahmen des Projekts MITIGATE arbeitet das FZN eng mit polnischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen, insbesondere mit der Technischen Universität Wrocław (Wrocław University of Science and Technology, WUST). Gemeinsame Forschungsaktivitäten, der regelmäßige wissenschaftliche Austausch und gegenseitige Besuche stärken die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und fördern die Entwicklung gemeinsamer Methoden zur Überwachung und Bewertung geoökologischer Gefährdungen in ehemaligen Bergbaugebieten.

Deutschland und Polen mit ihrer starken Prägung durch den Steinkohlebergbau stehen vor ähnlichen Herausforderungen im Nachbergbau. Der Austausch von Wissen, Erfahrungen und Methoden unterstützte die gemeinsame Forschung tragen dazu bei, Bergbaufolgelandschaften besser zu verstehen, geoökologische Risiken frühzeitig zu erkennen und nachhaltige Ansätze für den Umgang mit ehemaligen Bergbaustandorte zu entwickeln.

Das Projekttreffen in Wrocław wurde auf deutscher Seite durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) sowie auf polnischer Seite von der Polnischen Nationalen Agentur für Akademischen Austausch (NAWA) gefördert. Das MITIGATE- Treffen knüpfte an den Besuch der polnischen Kolleginnen und Kollegen im Juni 2026 an. Für das Jahr 2027 sind weitere MITIGATE-Projekttreffen in Deutschland und Polen geplant.

Das Projekt MITIGATE (Monitoring of Geoenvironmental Hazards in the Post-Mining Areas)

Das Projekt MITIGATE (Monitoring of Geoenvironmental Hazards in the Post-Mining Areas) entwickelt eine integrierte Methodik zur Überwachung geoökologischer Gefährdungen in ehemaligen Bergbaugebieten. Dafür werden unter anderem Fernerkundungsverfahren, unbemannte Luftfahrzeuge (UAV), multispektrale und thermografische Sensoren, präzise GNSS-Positionierung und mobile GIS-Systeme eingesetzt.

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